Buchhaltung für Selbständige in der Schweiz mit Laptop, Rechnungen und Schweizer Finanzunterlagen

Buchhaltung für Selbständige in der Schweiz: einfach erklärt für 2026

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Wer sich in der Schweiz selbständig macht, merkt schnell: Die Buchhaltung wirkt am Anfang komplizierter, als sie im Alltag sein muss. In meinem Fall war nicht die Frage schwierig, ob ich Einnahmen und Ausgaben erfassen muss, sondern wie sauber und regelmässig ich das mache, ohne jeden Monat Stunden damit zu verlieren.

Für viele Selbständige reicht zuerst eine einfache Buchhaltung. Entscheidend sind vor allem Rechtsform, Umsatz, MWST-Pflicht und die Frage, ob du deine Zahlen nur für die Steuererklärung brauchst oder auch aktiv für deine Planung nutzt.

In der Schweiz gilt: Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit weniger als CHF 500’000 Umsatz müssen mindestens eine vereinfachte Buchhaltung führen, also Einnahmen, Ausgaben und Vermögenslage festhalten. Ab einem Umsatzerlös von mindestens CHF 500’000 gelten die strengeren Regeln zur Buchführung und Rechnungslegung nach Obligationenrecht.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet Buchhaltung für Selbständige in der Schweiz?

Buchhaltung bedeutet, dass du deine geschäftlichen Geldflüsse nachvollziehbar dokumentierst. Dazu gehören vor allem:

BereichWas du erfassen solltestBeispiel
EinnahmenRechnungen, Honorare, VerkäufeCHF 2’500 Honorar für Beratung
AusgabenGeschäftliche KostenLaptop, Software, Miete, Telefon
BelegeNachweise für BuchungenQuittung, Rechnung, Bankauszug
VermögenslageKontostand, offene Rechnungen, SchuldenGeschäftskonto, Debitoren, Kreditoren
Steuern & SozialabgabenRückstellungen und ZahlungenAHV, Einkommenssteuer, MWST

Als ich meine Buchhaltung zum ersten Mal monatlich statt erst am Jahresende gemacht habe, wurde sofort klarer, welche Kunden profitabel sind, welche Kosten unnötig sind und wie viel Geld wirklich für Steuern zurückgelegt werden sollte.

Eine gute Buchhaltung ist nicht nur Pflicht. Sie zeigt dir auch, ob deine Selbständigkeit wirtschaftlich funktioniert.

Wer muss als Selbständige:r eine Buchhaltung führen?

Grundsätzlich muss jede selbständige Tätigkeit nachvollziehbar dokumentiert werden. Der Umfang hängt aber davon ab, wie gross dein Geschäft ist und welche Rechtsform du gewählt hast.

Einzelfirma und Einzelunternehmen

Für viele Selbständige in der Schweiz ist die Einzelfirma der typische Einstieg. Wenn der Umsatz unter CHF 500’000 liegt, reicht in vielen Fällen eine vereinfachte Buchhaltung. Diese muss Einnahmen, Ausgaben und Vermögenslage abbilden.

Das bedeutet nicht, dass ein Schuhkarton voller Quittungen eine gute Lösung ist. Rechtlich kann eine einfache Buchhaltung genügen, praktisch brauchst du aber ein System, das du auch nach Monaten noch verstehst.

Typische Beispiele:

ProfilJahresumsatzBuchhaltung
FreelancerinCHF 65’000einfache Buchhaltung meist ausreichend
CoachCHF 95’000einfache Buchhaltung, MWST-Grenze beobachten
BeraterCHF 135’000einfache Buchhaltung möglich, MWST prüfen
Einzelfirma mit TeamCHF 520’000vollständige Buchhaltung nötig

GmbH, AG und andere Rechtsformen

Bei juristischen Personen wie GmbH oder AG gelten strengere Anforderungen. Eine GmbH ist zur Buchhaltung und Rechnungslegung nach den Regeln des Obligationenrechts verpflichtet.

Das heisst: Wer eine GmbH oder AG gründet, sollte nicht mit einer einfachen Einnahmen-Ausgaben-Liste arbeiten. In diesem Fall brauchst du eine ordentliche Buchhaltung mit Bilanz, Erfolgsrechnung und sauberer Dokumentation.

Einfache Buchhaltung oder doppelte Buchhaltung: Was gilt 2026?

Unter CHF 500’000 Umsatz

Wenn du als Einzelunternehmen oder Personengesellschaft weniger als CHF 500’000 Umsatz machst, reicht in der Regel eine vereinfachte Buchhaltung. Diese wird oft auch als Milchbüechli-Rechnung bezeichnet.

Sie umfasst:

PflichtbestandteilBedeutung
EinnahmenWas du geschäftlich eingenommen hast
AusgabenWas du geschäftlich bezahlt hast
VermögenslageWas du besitzt und schuldest

In meinem Fall hat eine einfache Tabelle am Anfang gereicht, weil es nur wenige Rechnungen pro Monat gab. Sobald aber wiederkehrende Kosten, mehrere Kunden, MWST-Fragen und offene Rechnungen dazukamen, wurde Software deutlich angenehmer.

Ab CHF 500’000 Umsatz

Ab einem Umsatzerlös von mindestens CHF 500’000 im letzten Geschäftsjahr sind Einzelunternehmen und Personengesellschaften zur Buchhaltung und Rechnungslegung nach OR 957 ff. verpflichtet.

Dann brauchst du eine vollständige Buchhaltung mit:

ElementZweck
Bilanzzeigt Vermögen, Schulden und Eigenkapital
Erfolgsrechnungzeigt Ertrag, Aufwand und Gewinn
Kontenplanordnet Buchungen systematisch
Belegnachweismacht jede Buchung nachvollziehbar
JahresabschlussGrundlage für Steuererklärung und Analyse

Spätestens hier lohnt sich meistens ein Treuhänder oder eine professionelle Buchhaltungssoftware.

Was bei der MWST zusätzlich wichtig wird

Die MWST ist ein eigenes Thema. Die wichtige Schwelle liegt in vielen Fällen bei CHF 100’000 Umsatz aus steuerbaren Leistungen. Wer darunter liegt und voraussichtlich auch in der folgenden Steuerperiode darunter bleibt, kann sich von der Steuerpflicht befreien lassen beziehungsweise muss sich nicht zwingend eintragen lassen.

Wichtig: Die MWST-Grenze ist nicht dasselbe wie die CHF-500’000-Grenze für die vollständige Buchhaltung. Viele Selbständige verwechseln diese beiden Schwellen.

ThemaSchwelleBedeutung
Einfache vs. vollständige BuchhaltungCHF 500’000 Umsatzbetrifft Buchführung und Rechnungslegung
MWST-Pflichtoft CHF 100’000 Umsatzbetrifft Mehrwertsteuer und Abrechnung
Belegaufbewahrung10 Jahrebetrifft Nachweise und Geschäftsbücher

Geschäftsbücher und Buchungsbelege müssen in der Schweiz grundsätzlich zehn Jahre aufbewahrt werden.

Was gehört in die Buchhaltung für Selbständige?

Einnahmen korrekt erfassen

Jede geschäftliche Einnahme gehört in die Buchhaltung. Dazu zählen bezahlte Rechnungen, Honorare, Verkaufserlöse, Provisionen und andere geschäftliche Zahlungen.

Ein einfacher Aufbau:

DatumKundeRechnungBetragStatus
12.02.2026Kunde A2026-001CHF 1’800bezahlt
18.02.2026Kunde B2026-002CHF 950offen
25.02.2026Kunde C2026-003CHF 2’400bezahlt

Ich würde offene Rechnungen immer separat markieren. Als ich das erstmals gemacht habe, habe ich schneller gesehen, welche Zahlungserinnerungen nötig waren und wann Liquidität fehlt.

Ausgaben und Belege sauber dokumentieren

Geschäftliche Ausgaben mindern den Gewinn. Damit sie anerkannt werden können, brauchst du Belege.

Typische Ausgaben:

AusgabeMeist geschäftlich abziehbar?Hinweis
Laptopjawenn beruflich genutzt
Buchhaltungssoftwarejadirekt geschäftlich
Coworkingjabei geschäftlicher Nutzung
RestaurantteilweiseAnlass dokumentieren
Privates Handyanteiliggeschäftlichen Anteil sauber trennen
Weiterbildungoft jaBezug zur Tätigkeit beachten

Ein guter Praxistipp: Schreibe bei unklaren Belegen direkt eine kurze Notiz dazu. Zum Beispiel: „Kundentermin mit Müller AG, Projektbesprechung“. Nach neun Monaten weisst du sonst oft nicht mehr, was genau der Anlass war.

Vermögenslage, Bankkonto und private Entnahmen

Bei Selbständigen verschwimmt Geschäftliches und Privates schnell. Gerade bei Einzelfirmen ist das heikel, weil kein strikter rechtlicher Schnitt wie bei einer GmbH besteht.

Trotzdem solltest du sauber trennen:

VorgangBuchhalterische Behandlung
Kunde bezahlt RechnungEinnahme
Du kaufst SoftwareAusgabe
Du überweist Geld auf PrivatkontoPrivatentnahme
Du zahlst privates Geld ins GeschäftPrivateinlage
Kunde bezahlt noch nichtoffene Forderung

Ein separates Geschäftskonto ist nicht immer zwingend, aber sehr sinnvoll. In meinem Fall war das der Punkt, ab dem die Buchhaltung deutlich weniger chaotisch wurde.

Buchhaltung selber machen: So gehst du Schritt für Schritt vor

Schritt 1: Geschäftliches und Privates trennen

Starte mit einem separaten Konto oder wenigstens mit klarer Markierung deiner Geschäftsvorgänge. Je weniger private Zahlungen in deiner Buchhaltung auftauchen, desto einfacher wird alles.

Praktisch heisst das:

EmpfehlungWarum es hilft
separates Geschäftskonto nutzenweniger Verwechslungen
geschäftliche Karte verwendenBelege leichter zuordnen
private Entnahmen markierenSteuererklärung wird einfacher
keine privaten Einkäufe über Geschäftskontoweniger Korrekturen

Schritt 2: Belege laufend sammeln

Warte nicht bis Dezember. Sammle Belege direkt nach dem Kauf.

Gute Routine:

ZeitpunktAufgabe
sofortBeleg fotografieren oder speichern
wöchentlichBelege einem Ordner zuordnen
monatlichBuchhaltung aktualisieren
quartalsweiseoffene Rechnungen und MWST prüfen
jährlichAbschluss und Steuererklärung vorbereiten

Schritt 3: Einnahmen und Ausgaben monatlich erfassen

Einmal pro Monat reicht bei vielen kleinen Selbständigkeiten. Wichtig ist, dass du es wirklich machst.

Ein Monatsbeispiel:

PositionBetrag
EinnahmenCHF 6’800
SoftwareCHF 120
Telefon/InternetCHF 90
CoworkingCHF 350
WeiterbildungCHF 480
WerbungCHF 250
Gewinn vor RücklagenCHF 5’510

Das ist noch keine komplette Steuerberechnung, aber du siehst sofort, wie viel übrig bleibt.

Schritt 4: Rücklagen für Steuern und AHV bilden

Viele Selbständige schauen nur auf den Kontostand und vergessen, dass Steuern und AHV später kommen. Das führt schnell zu Stress.

Ein einfaches Beispiel:

Buchhaltung für Anfänger in der Schweiz mit Laptop, Belegen und RechnerBuchhaltung für Anfänger in der Schweiz: einfach erklärt für 2026
Gewinn pro MonatRücklage 25 %Verfügbar vor privaten Kosten
CHF 4’000CHF 1’000CHF 3’000
CHF 6’000CHF 1’500CHF 4’500
CHF 8’000CHF 2’000CHF 6’000

Die richtige Rücklage hängt von Kanton, Einkommen, Vorsorge und persönlicher Situation ab. Für die Planung ist eine vorsichtige Pauschale aber besser als gar keine.

Schritt 5: Jahresabschluss und Steuererklärung vorbereiten

Am Jahresende brauchst du eine saubere Übersicht:

DokumentZweck
EinnahmenübersichtUmsatz nachweisen
AusgabenübersichtGewinn berechnen
BelegsammlungNachweise bereithalten
BankauszügeZahlungen kontrollieren
offene RechnungenForderungen prüfen
SteuerunterlagenDeklaration vorbereiten

Wenn du jeden Monat sauber gearbeitet hast, ist der Jahresabschluss kein Drama. Wenn du alles erst im März des Folgejahres zusammensuchst, wird es mühsam.

Excel, Software oder Treuhänder: Was passt zu dir?

Wann Excel reicht

Excel kann reichen, wenn du wenige Buchungen hast, nicht MWST-pflichtig bist und deine Tätigkeit überschaubar bleibt.

Excel passt, wenn …Vorsicht, wenn …
wenige Rechnungen pro Monatviele Belege entstehen
keine MWST-Abrechnung nötig istMWST relevant wird
einfache Ausgabenstruktur bestehtdu Warenlager, Lohn oder Team hast
du diszipliniert arbeitestdu Buchhaltung oft aufschiebst

Excel ist günstig, aber fehleranfällig. Eine falsch gelöschte Formel kann deine Zahlen verfälschen.

Wann Buchhaltungssoftware sinnvoll ist

Software lohnt sich, wenn du Rechnungen, Belege, Bankabgleich und Auswertungen an einem Ort haben willst.

Empfehlung

Schweizer Buchhaltungssoftware für den einfachen Start

Wenn du Rechnungen, Belege, Ausgaben und die ersten Buchhaltungsprozesse übersichtlich organisieren möchtest, lohnt sich eine schlanke Schweizer Online-Lösung. Sie passt besonders gut zu KMU, Kleinunternehmern, Selbständigen und Einzelfirmen, die ohne unnötige Komplexität starten wollen.

Typische Vorteile:

VorteilNutzen
Rechnungen direkt erstellenweniger doppelte Arbeit
BankabgleichZahlungen schneller zuordnen
Beleguploadweniger Papierchaos
AuswertungenUmsatz und Gewinn laufend sehen
MWST-Funktionenbessere Kontrolle bei Steuerpflicht

Als ich Software getestet habe, war der grösste Vorteil nicht die Automatisierung selbst, sondern die Übersicht. Ich konnte sofort sehen, welche Rechnungen offen waren und wie sich der Gewinn entwickelt.

Wann sich ein Treuhänder lohnt

Ein Treuhänder lohnt sich vor allem dann, wenn du unsicher bist, wächst oder komplexere Themen hast.

SituationTreuhänder sinnvoll?
Start mit wenigen Rechnungennicht zwingend
MWST-Pflichtoft sinnvoll
Umsatz nahe CHF 500’000sehr sinnvoll
GmbH oder AGstark empfohlen
Mitarbeitendestark empfohlen
viele private/geschäftliche Mischkostensinnvoll
Steueroptimierung und Vorsorgesinnvoll

Eine gute Kombination ist oft: Du erfasst laufend Belege und Rechnungen selbst, der Treuhänder prüft periodisch und erstellt den Abschluss.

Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1: Freelancerin mit CHF 65’000 Umsatz

Anna arbeitet als selbständige Designerin in Zürich. Sie stellt monatlich 4 bis 6 Rechnungen, hat Softwarekosten, Coworking-Ausgaben und gelegentliche Weiterbildungen.

KennzahlWert
JahresumsatzCHF 65’000
RechtsformEinzelfirma
MWSTmeist unter der Schwelle
Buchhaltungeinfache Buchhaltung
ToolExcel oder einfache Software

Für Anna reicht eine einfache Buchhaltung meist aus. Trotzdem sollte sie Belege digital speichern, monatlich erfassen und private Ausgaben konsequent trennen.

Beispiel 2: Selbständiger mit CHF 135’000 Umsatz und MWST-Thema

Marco ist selbständiger IT-Berater. Er erzielt CHF 135’000 Umsatz pro Jahr. Seine Buchhaltung bleibt als Einzelfirma unter CHF 500’000 zwar grundsätzlich einfach möglich, aber die MWST muss geprüft werden.

KennzahlWert
JahresumsatzCHF 135’000
RechtsformEinzelfirma
Buchhaltungeinfache Buchhaltung möglich
MWSTsehr wahrscheinlich zu prüfen
EmpfehlungSoftware plus Treuhand-Check

Hier wäre eine reine Excel-Lösung riskanter, weil MWST, Rechnungen und periodische Abrechnungen sauber zusammenpassen müssen.

Beispiel 3: Einzelfirma über CHF 500’000 Umsatz

Sabrina führt eine Einzelfirma im Handel und macht CHF 520’000 Umsatz. Damit reicht die einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung nicht mehr.

KennzahlWert
JahresumsatzCHF 520’000
RechtsformEinzelfirma
Buchhaltungvollständige Buchhaltung
AbschlussBilanz und Erfolgsrechnung
Empfehlungprofessionelle Software und Treuhänder

Bei dieser Grösse sollte die Buchhaltung nicht nebenbei geführt werden. Offene Forderungen, Lager, Lieferanten, MWST und Jahresabschluss müssen sauber strukturiert sein.

Beispielrechnung: Gewinn und Rücklagen Schritt für Schritt

Beispielrechnung 1: Kleine Selbständigkeit ohne MWST

PositionBetrag
Umsatz pro MonatCHF 5’000
GeschäftsausgabenCHF 900
Gewinn vor RücklagenCHF 4’100
Rücklage für Steuern/AHV, Beispiel 25 %CHF 1’025
Frei planbarer BetragCHF 3’075

So bekommst du ein realistisches Bild. CHF 5’000 Umsatz bedeutet nicht CHF 5’000 privates Einkommen.

Beispielrechnung 2: Selbständigkeit mit höheren Kosten

PositionBetrag
Umsatz pro MonatCHF 9’000
Freelancer-Tools und SoftwareCHF 350
Büro/CoworkingCHF 600
WerbungCHF 700
WeiterbildungCHF 400
Sonstige KostenCHF 450
Gewinn vor RücklagenCHF 6’500
Rücklage 30 %CHF 1’950
Frei planbarer BetragCHF 4’550

Beispielrechnung 3: Umsatz wächst Richtung CHF 500’000

PositionBetrag
MonatsumsatzCHF 38’000
JahreshochrechnungCHF 456’000
Monatsumsatz nach WachstumCHF 44’000
neue JahreshochrechnungCHF 528’000

Hier wird klar: Wer stark wächst, sollte die CHF-500’000-Grenze nicht erst am Jahresende bemerken.

Vergleich: wichtige Schwellen und Pflichten 2026

ThemaWert / RegelWas es für Selbständige bedeutet
Einfache Buchhaltungunter CHF 500’000 UmsatzEinnahmen, Ausgaben und Vermögenslage reichen bei Einzelfirma/Personengesellschaft meist aus
Vollständige Buchhaltungab CHF 500’000 UmsatzBuchführung und Rechnungslegung nach OR
MWST-Grenzeoft CHF 100’000 UmsatzMWST-Pflicht prüfen
Belegaufbewahrung10 JahreGeschäftsbücher und Buchungsbelege aufbewahren
GmbH / AGunabhängig von kleiner Selbständigkeitordentliche Buchhaltung nach OR nötig

Die Grafik dazu würde so aussehen: Bis CHF 100’000 steigt der administrative Aufwand langsam. Ab der MWST-Schwelle kommt ein klarer Sprung hinzu. Richtung CHF 500’000 steigt die Komplexität nochmals deutlich, weil die Anforderungen an Buchführung, Abschluss und Dokumentation höher werden.

Häufige Fehler in der Buchhaltung von Selbständigen

Private Ausgaben falsch verbuchen

Ein häufiger Fehler ist, private Ausgaben als geschäftliche Kosten zu erfassen. Das kann bei einer Kontrolle unangenehm werden.

Beispiele:

AusgabeProblem
private Feriennicht geschäftlich
Familienessennur bei echtem Geschäftsanlass relevant
privater Laptopnur geschäftlicher Anteil zählt
gemischte TelefonkostenAnteil sauber schätzen und dokumentieren

Belege zu spät oder gar nicht erfassen

Der Beleg ist der Nachweis zur Buchung. Ohne Beleg wird es schwierig, die Ausgabe später zu erklären.

Meine einfache Regel: Was ich nicht innerhalb einer Woche ablege, vergesse ich später fast sicher.

MWST-Grenze nicht beobachten

Viele Selbständige schauen nur auf den Gewinn. Für die MWST ist aber der Umsatz entscheidend. Wer die Grenze zu spät erkennt, muss nacharbeiten und riskiert unnötigen Aufwand.

Steuerrücklagen vergessen

Der Kontostand fühlt sich gut an, bis die Steuerrechnung kommt. Rücklagen sind keine Luxusplanung, sondern Schutz vor Liquiditätsproblemen.

Checkliste: Buchhaltung für Selbständige in 2026

AufgabeHäufigkeitErledigt
Rechnungen erstellen und nummerierenlaufend
Einnahmen erfassenmonatlich
Ausgaben erfassenmonatlich
Belege speichernlaufend
Bankkonto abgleichenmonatlich
offene Rechnungen prüfenmonatlich
Steuerrücklagen bildenmonatlich
MWST-Schwelle prüfenquartalsweise
AHV und Vorsorge prüfenjährlich
Jahresabschluss vorbereitenjährlich

Häufige Fragen zur Buchhaltung für Selbständige

Muss ich als Selbständige:r in der Schweiz eine Buchhaltung führen?

Ja. Auch wenn du nur eine kleine selbständige Tätigkeit hast, musst du deine Einnahmen und Ausgaben nachvollziehbar dokumentieren. Der Umfang hängt vor allem von Umsatz und Rechtsform ab.

Reicht eine einfache Buchhaltung für meine Einzelfirma?

Wenn deine Einzelfirma weniger als CHF 500’000 Umsatz erzielt, reicht in vielen Fällen eine vereinfachte Buchhaltung mit Einnahmen, Ausgaben und Vermögenslage.

Ab wann brauche ich doppelte Buchhaltung?

Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften wird ab einem Umsatzerlös von mindestens CHF 500’000 eine Buchhaltung und Rechnungslegung nach Obligationenrecht verlangt.

Was ist die Milchbüechli-Rechnung?

Die Milchbüechli-Rechnung ist die vereinfachte Buchhaltung. Du hältst Einnahmen, Ausgaben und Vermögenslage fest, ohne eine vollständige doppelte Buchhaltung mit Bilanz und Erfolgsrechnung zu führen.

Muss ich ein separates Geschäftskonto haben?

Nicht in jedem Fall, aber es ist sehr empfehlenswert. Ein separates Konto macht die Buchhaltung sauberer, spart Zeit und reduziert Fehler zwischen privaten und geschäftlichen Zahlungen.

Wie lange muss ich Belege aufbewahren?

Geschäftsbücher und Buchungsbelege müssen in der Schweiz grundsätzlich zehn Jahre aufbewahrt werden. Die Frist beginnt mit Ablauf des Geschäftsjahres.

Kann ich meine Buchhaltung mit Excel machen?

Ja, bei kleinen und einfachen Tätigkeiten kann Excel reichen. Sobald MWST, viele Belege, offene Rechnungen oder Wachstum dazukommen, ist Buchhaltungssoftware meist sicherer und effizienter.

Wann lohnt sich Buchhaltungssoftware?

Software lohnt sich, wenn du mehr Übersicht willst, Rechnungen direkt erstellen möchtest, Belege digital sammelst oder deine Bankbewegungen schneller abgleichen willst.

Wann sollte ich einen Treuhänder beiziehen?

Ein Treuhänder lohnt sich bei MWST-Pflicht, starkem Wachstum, Umsatz nahe CHF 500’000, GmbH/AG, Mitarbeitenden oder Unsicherheit bei Steuern und Abzügen.

Was passiert, wenn meine Buchhaltung unvollständig ist?

Dann kann es bei Steuererklärung, MWST, AHV oder einer Kontrolle Probleme geben. Fehlende Belege, falsche private Ausgaben oder unklare Einnahmen führen oft zu Rückfragen und Korrekturen.

Abschliessende Hinweise

Buchhaltung für Selbständige in der Schweiz muss 2026 nicht kompliziert sein, wenn du früh ein sauberes System aufbaust. Für viele Einzelfirmen reicht am Anfang eine einfache Buchhaltung. Entscheidend ist, dass du Einnahmen, Ausgaben, Belege und Vermögenslage regelmässig dokumentierst.

In meinem Fall war der grösste Fortschritt nicht ein perfektes Tool, sondern eine feste Monatsroutine: Belege prüfen, Rechnungen abgleichen, offene Zahlungen markieren und Rücklagen bilden. Genau diese Routine macht aus Buchhaltung ein Steuerungstool statt ein Jahresendproblem.

Wenn dein Umsatz wächst, MWST relevant wird oder du Richtung CHF 500’000 kommst, solltest du nicht zu lange improvisieren. Dann sind Software und Treuhandhilfe meistens günstiger als spätere Korrekturen.

Einfache und doppelte Buchhaltung für Kleinunternehmer in der SchweizBuchhaltung für Kleinunternehmer in der Schweiz: einfach erklärt für 2026

Simon Baumann
Simon Baumann schreibt auf Gründer Wissen über Firmengründung, Buchhaltung, MWST, Steuern und KMU-Themen in der Schweiz. Sein Ziel ist es, komplexe administrative Themen einfach, verständlich und praxisnah zu erklären.

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